
Weniger Überstunden, mehr Zeit für Bewohner: Was voize im Schweriner Pflegenetzwerk verändert hat
Was passiert, wenn Pflegekräfte selbst über ihre digitalen Tools entscheiden? Im Schweriner Netzwerk für Menschen hat das Team voize auf einer Zukunftskonferenz selbst gewählt – mit messbaren Ergebnissen bei Überstunden, Dokumentationszeit und Mitarbeiterzufriedenheit.

„Ich hab mich doch nicht für diesen Beruf entschieden, um zu schreiben. Ich will mit Menschen arbeiten." Diesen Satz kennt wohl jede Pflegefachkraft. Die Dokumentation gehört zu den größten Zeitfressern im Pflegealltag – und zu den häufigsten Gründen, warum Menschen den Beruf frustriert verlassen.
Im Schweriner Netzwerk für Menschen, das sieben Pflegeheime in der Landeshauptstadt betreibt, wird das gerade konkret verändert. Wie der Nordkurier berichtet, läuft in vier der Einrichtungen ein Pilotprojekt mit voize – mit bemerkenswerten ersten Ergebnissen.
Das Problem: Bis zu eine dreiviertel Stunde täglich am PC
Franziska Hain, Vorständin des Netzwerks, beschreibt die Ausgangslage nüchtern: Im Schnitt saß jede Pflegefachkraft täglich mindestens eine dreiviertel Stunde am Computer. Allein die Aufnahme eines neuen Heimbewohners beanspruchte in den meisten Fällen zwei bis drei Stunden. Zeit, die bei den Bewohnenden fehlte.
Die Lösung: Sprechen statt schreiben
Statt Messwerte auf Zetteln zu notieren oder bis zur nächsten Pause im Kopf zu behalten, sprechen die Pflegefachkräfte jetzt direkt nach der Medikamentengabe oder Vitalwertmessung in ihr Diensthandy. voize erkennt das Gesprochene, ordnet die Inhalte automatisch den richtigen Kategorien zu und überträgt sie in die Dokumentation auf dem Stations-PC – inklusive vollständiger Sätze und korrekter Zeichensetzung.
Claudia Rieckhof, stellvertretende Pflegedienstleiterin im „Haus am Grünen Tal", ist überzeugt: Auch Beobachtungen wie „Patient hat schlecht geschlafen" oder „XY klagt über Appetitlosigkeit" lassen sich jetzt quasi im Vorbeigehen erfassen – Einträge, die früher auch schon mal unter den Tisch gefallen sind. Individuell hinterlegte Warnwerte sorgen dabei für zusätzliche Sicherheit. Die Fachkraft prüft und gibt die Datenübermittlung am Ende selbst frei.
Akzeptanz von Anfang an: Die Mitarbeitenden haben selbst entschieden
Was das Projekt besonders auszeichnet: Die Mitarbeitenden haben voize auf einer Zukunftskonferenz 2024 selbst ausgewählt. Verschiedene Lösungen wurden vorgestellt – und das Team entschied sich für voize. Diese Mitbestimmung ist kein Detail, sondern ein entscheidender Faktor für die hohe Akzeptanz im Alltag.
Das zahlt sich aus, auch für internationale Fachkräfte. „Selbst unsere philippinischen Pflegekräfte, die noch nicht fließend Deutsch sprechen, können damit hervorragend arbeiten", so Hain. Das deckt sich mit dem, was eine unabhängige Charité-Studie wissenschaftlich belegt: KI-gestützte Sprachdokumentation senkt die Dokumentationszeit messbar – bei gleichzeitig steigender Mitarbeiterzufriedenheit.
Die Zahlen sprechen für sich
Die erste Zwischenauswertung des Projekts zeigt konkrete Effekte. Neu-Aufnahmen, die früher zwei bis drei Stunden dauerten, sind jetzt in rund 30 Minuten dokumentiert. Vor der Einführung schrieben 56 Prozent der Mitarbeitenden selten und 28 Prozent regelmäßig Überstunden. Nach der voize-Einführung sind es insgesamt nur noch sechs Prozent.
Und das wichtigste Ergebnis: Im Durchschnitt gewinnt jede Pflegekraft 43 Minuten pro Tag zurück.
„Wir haben wieder mehr Zeit für unsere Bewohner, können ihnen vorlesen oder auch mal ein Spiel spielen", erklärt Claudia Rieckhof. Und das, so die stellvertretende Pflegedienstleiterin, sei nicht mit Geld zu bezahlen.
Blick nach vorne: Noch mehr Potenzial in der Kurzzeitpflege
DIZ-Mitarbeiter Yves Naumann vom Schweriner Digital-Innovationszentrum, das das Projekt mit Schulungen und Feintuning begleitet, sieht noch weiteres Potenzial: In der Kurzzeitpflege könnte voize noch größere Wirkung entfalten – weil dort der Patientendurchlauf und damit der Dokumentationsaufwand bei Aufnahmen noch höher ist.
Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel „Täglich fast eine dreiviertel Stunde mehr Zeit für die Bewohner" von Karin Koslik, erschienen im Nordkurier am 18. März 2026.

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